La fiesta de los Diablitos - vacaciones parte 4
- Tom
- 16. Jan. 2023
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Jan. 2023
Nach Strand, Sonne und chillen ging es in das indigene Dorf Boruca. Es befindet sich auf der Pazifikseite und hat eine eigene indigene Sprache, die den gleichen Namen wie das Dorf trägt. Dort besuchten und erlebten wir "la fiesta de los Diablitos" (span.: die Feier der Teufelchen).
Nach der jala de piedra im September ist dies unser zweites indigenes Fest, was wir erlebt haben. Nach und nach erkunden wir mehr die Kultur von Costa Rica.

Erstmal etwas zum geschichtlichen Hintergrund:
Wie so viele Sachen hängt auch das Fest mit der Kolonialherrschaft der Spanier zusammen. Das Fest ist über 500 Jahre alt. Es zeigt die Kolonialisierung aus Sicht der Indigenen, die daraus ihr eigenes Fest gebildet haben.
Die Feier oder auch das Spiel der Teufel begann am 29. Dezember. Am Abend trafen sich alle Menschen an einem Ort im Dorf, wo die Ältesten (span.: mayores) die Regeln erklärten und die Anwesenden in die kommenden Tage einführten (siehe Video).
Dazu wurde Musik gespielt, Tamales gegessen und Chicha getrunken.
tamales: Tamales ist ein traditionelles zentralamerikanisches Gericht, was viel zu Weihnachten gegessen wird. Es besteht aus Masa (Maisteig), der mit Fleisch, Käse oder anderen Zutaten gefüllt und in Pflanzenblätter eingehüllt wird. Diese werden gedämpft und danach gegessen.
chicha: Chicha ist ein alkoholisches Getränk, was in indigenen Gebieten sehr verbreitet ist. (Wer Genaueres wissen will, kann sich gerne den Oktober-Blog durchlesen.)
Um 0 Uhr am 30. Dezember erfolgte die Geburt der "Diablitos". Dies sind Ureinwohner, die Masken tragen und von Haus zu Haus ziehen, um sich zu präsentieren (siehe Bild). Bis auf kleinere Pausen zogen die Teufel den ganzen Tag herum.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, tragen die Teufel Masken. Einige der Masken sind bemalt, andere nicht. Dies hängt damit zusammen, dass der Tradition nach die Masken unbemalt sind. Doch vor 20 Jahren gab es einen Wandel und seitdem sieht man viele bunte und mit Farben gestaltete. (siehe Bild). Für mich wirken sie dadurch noch schöner.

Am Morgen des 30. Dezembers wurde der Stier geboren. Er repräsentiert den Antagonisten, den weißen Kolonialist, dessen Ziel es ist, die Teufel bzw. die Indigenen zu ermorden.
Wie ihr auf den vorherigen Bilder sehen könnt, ist der Stier ein Gestell aus Ästen, Stöcken, einem Stein und der Stier-Maske. Darunter befindet sich immer ein Indigener. Diese müssen vom Ältesten ausgewählt werden und wechseln sich mit der Zeit ab.
Von dem Zeitpunkt bis zum 2. Januar begannen die Kämpfe zwischen dem Stier und den Teufeln. Die Kämpfe sind eine Art Tanz, die von Trommeln und Flöten begleitet werden (siehe Video).
Begleitet werden diese von den mayores, die auf die Zuschauer aufpassten und für Ordnung sorgten.
Sie trugen besonders schöne Masken, sowie einen Stock mit bunten Bändchen (siehe Bild).

Die Tänze beziehungsweise Kämpfe waren jedes Mal unterschiedlich und wurden an verschiedenen Orten des Dorfes gezeigt. Dadurch ergab sich für uns die Möglichkeit das ganze Dorf zu erkunden (siehe Video).
Am 31. Dezember und 01. Januar veränderte sich nichts. Die Teufel zogen weiter durchs Dorf.
In dieser Zeit waren wir im Museum von Boruca, um noch mehr über seine Geschichte und die Tradition zu lernen (siehe Bild).

Am Ende des Museums gab es einen Raum, in dem viele Masken ausgestellt waren, die man auch erwerben konnte (siehe Bild). Die Preise schwanken dabei zwischen 20 € und 130 €.

Am Morgen des zweiten Januars zogen mehr Teufel als gewöhnlich durch Boruca. Dabei zeigten sie ihre schönsten Trachten und besten Masken und repräsentierten damit 500 Jahre Überleben und Bewahrung ihrer Kultur. Im Gegensatz zum ersten Tag sind nicht nur Teufel unterwegs gewesen, sondern auch ein Hund und Schlachter (siehe Bilder).
Es wird eine letzte Runde durch das Dorf gedreht. Den Teufeln folgte eine Schar von Touristen, die Fotos machten und sich das Fest ansahen (siehe Video).
Vor Sonnenuntergang trafen sich alle im Dorfzentrum, wo der Stier alle Teufel umstieß und sie damit "tötete" (siehe Video). Die getöteten Teufel blieben auf dem Boden liegen und waren nicht mehr aktiv mit dabei.
Symbolisch steht das für die Einnahme Costa Ricas durch die spanischen Besatzer und der Zerstörung ihrer Kultur.
Dieser Kampf bildete den Höhepunkt des Festes. Durch den Alkohol, die vielen Menschen und sogar Pyro entstand ein großes Chaos (siehe Video). Es war auf der einen Seite ziemlich faszinierend, auf der anderen Seite verrückt.
Auch trugen die Teufel und mayores noch einmal sehr schöne Masken. Einige davon hatte ich fotografiert.
Als Letztes wurde der älteste Teufel umgestoßen.
Danach flüchtete der Stier in die Berge bzw. in die hügelige Umgebung von Boruca und suchte dort Zuflucht.
Die Teufel kehrten nach dem Ruf des ältesten Teufels zum Leben zurück und begaben sich auf die Suche nach dem Stier. Geprägt ist die Suche von Freude, da die Teufel über den Stier gesiegt haben.
Dass sie wieder auferstehen konnten, repräsentiert den Widerstand, den die Menschen damals gegen die Spanier leisteten, welcher sie heute zu Indigenen macht.
Irgendwann zogen die Teufel und Touristen zu einem anderen Ort im Dorf. Dieser lag 100 Meter entfernt und dort war ein großes Feuer aufgebaut. Wie man im kommenden Video sehen kann, befand sich inmitten der Flammen der Stier. Drumherum standen die diablitos.
Der Tod des Stieres wiederholt sich einige Male. Dabei wurde er ins Feuer geworfen, herausgezerrt und erneut hineingezogen. Es wurde weiterhin Chicha getrunken, was symbolisch für das Blut des Stieres steht.
Nun war der Stier dank Kampf und Feuer endgültig "vertrieben" worden. Bis auf die ein oder andere Disko, in der noch laut Musik lief, legte sich das Dorf zur Ruhe.
Am nächsten Morgen sah man noch die letzten Teufel ihren Rausch ausschlafen.
Nachdem wir das ganze Dorf, viele Kämpfe und einige Orte das zweite Mal gesehen hatten, beschlossen wir die Umgebung des Dorfes zu erkunden. Ein weiteres Mal machten wir uns auf den Weg zu Wasserfällen. Dies waren die größten, die ich bis dahin gesehen hatte. Oberhalb des Wasserfalls hatte man eine schöne Aussicht auf die Landschaft (siehe Bild).

Unterhalb hatte man einen schönen Blick auf den 40 Meter hohen Wasserfall (siehe Bilder).
Übrigens, als Deutscher wurde man nicht schief angesehen, sondern fühlte sich willkommen, weil die Indigenen ihre Kultur erhalten wollen und sich freuen, wenn andere dem beiwohnen.
Mit dem Besuch der Wasserfälle endete unser Boruca-Silverstertrip. Ich konnte viele neue Eindrücke sowohl von Costa Rica, als auch von den Indigenen sammeln.
In meinem nächsten Blog nehme ich euch auf die südliche Halbinsel Costa Ricas mit, wo wieder viel Badespaß auf euch wartet.
Natürlich habe ich auch wieder ein neues Lied für euch parat:



























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